Freitag, 18. Oktober 2013

Kausalität

Schicksal oder Zufall?


"Sehen Sie, es gibt nur eine Konstante, eine Universalität. Es ist die einzige echte Wahrheit: Kausalität." - Der Merowinger, Matrix Reloaded.


Was ist Kausalität? Kausalität bezeichnet laut Wikipedia "die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung oder Aktion und Reaktion, betrifft also die Abfolge aufeinander bezogener Ereignisse und Zustände."

 
Wir haben also eine Ursache, das kann ein Ereignis oder ein bestimmter Zustand sein, durch die eine wie auch immer geartete Wirkung herbeigeführt wird. Und da ausnahmslos jede Aktion irgendeine Reaktion zur Folge hat, finden wir in der Kausalität die grundlegendste Natur aller Dinge.


Würden wir das System, beziehungsweise die unabdingbar notwendige Logik, die dahintersteckt, vollends verstehen, so könnten wir zumindest in der utopischen Theorie die gesamte Vergangenheit und ferner sogar die Zukunft in Erfahrung bringen, weil sie in sich absolut logisch und vor allem kausal aufgebaut ist. Und schließlich ist eine Sache für denjenigen, der ihre Natur wirklich verstanden hat, absolut vorhersehbar.


Das wirft allerdings eine für uns essenzielle Frage auf. Die Frage nach dem freien Willen des Menschen nämlich.
"Unser Handeln sei getragen von dem stets lebendigen Bewusstsein, dass die Menschen in ihrem Denken, Fühlen und Tun nicht frei sind, sondern ebenso kausal gebunden wie die Gestirne in ihren Bewegungen."- Albert Einstein


Der geneigte Leser wird den Zusammenhang  verstehen, hoffe ich. Der freie Wille ist in dem Sinne nicht frei und somit eine reine Illusion.
Jede einzelne Handlung, inklusive aller Entscheidungen, die ein Mensch in seinem gesamten Leben vollführt, obliegt einem unfreien freien Willen, der sich logisch kausal aus dem genetischen Material eines Menschen, kombiniert mit all seinen bewussten oder unbewussten Erfahrungen ergibt.


Wieso schreibe ich beispielsweise gerade diesen Text? Das muss einen Grund haben. Nun, ich persönlich würde natürlich sagen, ich tue das, weil ich es tun will. Um etwaigen Lesern meine Meinung nahe zu bringen. Das ist aber nur indirekt und bedingt richtig. Denn der eigentliche Grund muss weiter in der Vergangenheit gesucht werden. Dort würde sich demjenigen, der weiß, wie und wo er zu suchen hätte, offenbaren, aus welchem Grund ich meine Zeit damit verbringen will, einen solchen Text zu verfassen. Und wenn er weitersuchen würde, würde er auch dafür wieder einen Grund finden. Und wenn er dieses Spielchen immer weiter spielen würde, beziehungsweise überhaupt erst einmal könnte, würde er über Kurz oder Lang am Anbeginn allen Seins selbst landen.


"Wo eine Ursache ist, da ist Zeit. Die Ursache ruft eine Wirkung hervor, und diese Wirkung wird wiederum zur Ursache."- Jiddu Krishnamurti


Nun kommt letztendlich, was die Überschrift des Textes verspricht. Zufall und Schicksal:

Zufälle existieren trotz der im Grunde allumfassenden Kausalität, weil sie per Definition einfach Ereignisse sind, für die keine kausale Erklärung gegeben werden kann. Das liegt aber prinzipiell nicht daran, dass keine existiert, sondern daran, dass wir sie nicht kennen, was beispielsweise auch wieder daran liegen kann, dass die dem Ereignis zugrundeliegenden Einflussfaktoren nicht messbar sind. In unserem beschränkten Wahrnehmungsbereich kann von Zufällen also durchaus die Rede sein, auch wenn eine rein theoretische allwissende Person den Zufall durchschauen und ihn damit inexistent machen könnte. Es ist also durchaus legitim, im alltäglichen Kontext noch von Zufällen zu sprechen, philosophisch betrachtet ist das allerdings in der Regel schon kritischer, da in der Philosophie zumeist sowieso von mehr oder weniger idealisierten und realitäts-, beziehungsweise alltagsfernen Zuständen ausgegangen wird. Und logisch betrachtet muss gesagt werden, dass es ganz einfach keinen Zufall in dem Sinne gibt, dass keine logische Erklärung basierend auf einem kausalen Zusammenhang zu finden ist.


Das Schicksal als Solches kann natürlich auf der anderen Seite nicht widerlegt werden, da es prinzipiell grob gesagt eine göttliche Vorbestimmung bezeichnet und man die Inexistenz Gottes eben nicht beweisen kann. Infolgedessen kann ich nicht einfach behaupten, dass das Schicksal nicht existiert, ich kann aber sagen, dass dergleichen nicht nötig ist. Es braucht keine göttliche Vorbestimmung um unser Leben zu steuern. Schließlich gibt es bereits die Kausalität, die im Grunde dasselbe tut, mit dem Unterschied, dass sie ihrerseits ebenso den Gesetzen der Zeit obliegt und in dem Sinne entsprechend natürlich nichts vorherbestimmt. Die Frage, ob beide Begriffe - Schicksal und Kausalität - nicht letzten Endes einfach dasselbe beschreiben zu beantworten wäre nichts als anmaßend von mir. Diese Frage muss sich jeder für sich selbst stellen. Der einzige Gott, der derzeit empirisch beweisbar ist, heißt "Logik", das allein reicht aber selbstverständlich nicht aus, um irgendeiner göttlichen Entität im vielleicht etwas religiöseren Sinne die Existenz zu negieren und schließt damit auch eine göttliche Vorbestimmung hinter dem Konzept der Kausalität keineswegs aus.